BERICHTE


Schwarzer Cop unterwandert den Ku-Klux-Klan

 

Kinovorschau der Murrlichtspiele

Bericht aus der Murrhardter Zeitung

 

MURRHARDT (pm). Durch die frischen Temperaturen der vergangenen Tage wird nun der Herbst und somit die Kinozeit eingeläutet, lässt das Vereinsteam wissen und weist auf die aktuelle Filmauswahl hin. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Vielfalt tut gut“ im oberen Murr- und Rottal wird der Film BlacKkKlansman ab Freitag gezeigt. In der auf Tatsachen beruhenden Anti-Rassismus-Satire wird die Geschichte eines afroamerikanischen Cops erzählt, der in den 1970er-Jahren den Ku-Klux-Klan unterwandert hat. Der Bezug zum heutigen Amerika fehlt aber nicht. BlacKkKlansman erhielt den Großen Preis der Jury bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes.

Ab Samstag im Programm: Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon. In der Komödie nach dem Roman von Jockel Tschiersch erlebt ein Gärtner einen skurrilen Rundflug durch Deutschland, bei dem er wieder einen Lebenssinn findet. Sein Unternehmen, ein Golfclub, ist insolvent, und von seiner Familie kann er keine Hilfe erwarten. Entspannung bringt ihm nur seine alte Propellermaschine, mit der er sich auf eine Reise ins Ungewisse begibt, viele unterschiedliche Menschen kennenlernt und merkt, dass es vielleicht doch nicht so schlecht um ihn bestellt ist.

Zudem ist ab Samstag der Film Christopher Robin zu sehen. Christopher ist erwachsen geworden, steckt in seinem langweiligen Job fest und vernachlässigt deswegen seine Familie. Die Abenteuer, die er als Kind mit Winnie Puuh und seinen Freunden im Hundertmorgenwald erlebt hat, sind in Vergessenheit geraten. Als Christopher am Tiefpunkt angelangt ist, steht Winnie vor seiner Tür. Gemeinsam mit seinen Freunden zeigt er ihm, wie sehr das Leben Spaß machen kann.


Vielfalt tut gut: Jugendliche und junge Erwachsene treffen sich im Murrhardter Jugendzentrum mit Lokalpolitikern zum Austausch

 Gemeinsame symbolische Schlussaktion des Treffens: Die Teilnehmer lassen Luftballons vor dem Murrhardter Rathaus steigen. Sie haben sie mit Kärtchen versehen, auf denen sie formuliert haben, was ihnen im Zusammenhang mit der Demokratie wichtig ist. Foto: J. Fiedler
Gemeinsame symbolische Schlussaktion des Treffens: Die Teilnehmer lassen Luftballons vor dem Murrhardter Rathaus steigen. Sie haben sie mit Kärtchen versehen, auf denen sie formuliert haben, was ihnen im Zusammenhang mit der Demokratie wichtig ist. Foto: J. Fiedler
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Von Petra Neumann

 

MURRHARDT. Demokratie ist kein Geschenk, das einem in den Schoß fällt. Sie muss jeden Tag aufs Neue gelebt werden. Deshalb hat die Initiative und Veranstaltungsreihe im Oberen Murr- und Rottal „Vielfalt tut gut“ anlässlich des Internationalen Tags der Demokratie einen generationenübergreifenden Brunch im Murrhardter Jugendzentrum veranstaltet. Jugendliche, junge Erwachsene und in der Lokalpolitik Engagierte trafen sich, um gemeinsam zu diskutieren. Anschließend kam die Gruppe auf dem Murrhardter Marktplatz zusammen, um ein Zeichen zu setzen: Die Teilnehmer schickten Ballons auf die Reise – inklusive angehängter Kärtchen, auf denen sie ihre persönlichen Gedanken zum Thema Demokratie festgehalten hatten.

„Die Idee kam vom Demokratiezentrum Baden-Württemberg“, berichtete Juze-Sozialarbeiterin Nicole Martin, die auch zum Organisationsteam von „Vielfalt tut gut“ gehört. Auch der Vereinsvorstand des Jugendzentrums fand die Idee gut. Blieb die Frage, wie man die Sache konkret anpacken sollte. Jugendliche haben möglicherweise gewisse Hemmungen, gestandenen (Lokal-)Politikern gegenüberzutreten, um mit ihnen über Themen zu sprechen, die sie interessieren und bewegen, so die Überlegung.

Wie wäre es mit einer Art ritterlicher Tafelrunde? Gedacht, getan. Also wurden zwei große Tische zusammengestellt und man diskutierte ganz frei, im offenen Dialog miteinander. Impulsfragen halfen beim Einstieg. Wichtige Themen waren Natur und Umwelt, Tierschutz, Konsumzwang, der Verlust von Grundwerten oder auch die Bildung. Ebenfalls sehr wichtig: die Gegenüberstellung von Freiheit und Sicherheit. „Eigentlich haben wir herausgefunden, dass beide Extreme nicht wünschenswert sind, beides muss ineinandergreifen“, betonte Elke Tigli. Zu viel Freiheit artet aus, zu viel Sicherheit ist wie ein Gefängnis. Beate Baur vom Kreisjugendring ergänzte: „Es gibt keine Schwarz-Weiß-Malerei, denn man braucht den Konflikt, um zu einem Konsens zu gelangen.“

Ebenfalls wurde angesprochen, an welche Themen sich die Politik im Hinblick auf die Wähler gar nicht herantraut. Beispielsweise die Fragen: Wie mit der Überbevölkerung umgehen? Wohin wird die Gesellschaft steuern? Was birgt die Zukunft? Letztlich werden in der Zukunft die Keime aufgehen, die beim Treffen gesät wurden. Sonja Großhans von der Fachstelle Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention, kurz DeRex, zog ein positives Fazit: „Es wurden genau die Dinge angesprochen, die alle bewegen.“ Sarah Schreiber, die als Jugendliche bei der Diskussion teilnahm, war angenehm überrascht von der demokratischen Atmosphäre während des Brunchs. „Es war richtig gut, man konnte sich austauschen und alle Altersgruppen waren vertreten.“

Für Bürgermeister Armin Mößner ist es ebenso ein Zeichen der Demokratie, dass nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen sei, und er ist überzeugt, dass man im verbalen Austausch bedeutende neue Erkenntnisse gewinnen kann. „Wichtig ist es, dass man sich für Demokratie und Frieden einsetzt, jeder kann sich engagieren und Mitglied einer Partei werden, sich aber auch in der Gemeinde an die städtischen Vertreter wenden.“

Stadtrat und Unternehmer Andreas Winkle war in seinem Element: „Die Demokratie ist kein Selbstläufer, sie muss tagtäglich neu entworfen, erfahren und erfahrbar werden.“

Genau zur bedeutungsträchtigen Zeit fünf vor zwölf Uhr wurden dann die Luftballons als bunter Strauß in die Luft entlassen, damit sie irgendwann und irgendwo gefunden werden und die Finder an das hohe Gut Demokratie erinnern.


https://www.murrhardter-zeitung.de/node/1173455

Bilder zu Toleranz und Vielfalt

Vielfalt tut gut: Kinder zeigen ihre Arbeiten zum Stoffbeutelcontest

MURRHARDT/FICHTENBERG (red). Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Vielfalt tut gut“ im Oberen Murr- und Rottal konnten sich Kinder bei einem Malwettbewerb beteiligen. Die Motive, die sich auf das Motto der Reihe beziehen sollten, sind für die Verschönerung von Stoffbeuteln vorgesehen. Deshalb lief die Aktion unter dem Stichwort „Stoffbeutelcontest“.

Beteiligt haben sich die Hörschbachschule Murrhardt und der Kindergarten Fichtenberg mit kreativen Werken zum Thema Vielfalt und Toleranz. Nun steht eine Präsentation der Arbeiten bevor, die in Fichtenberg und Murrhardt zu sehen sein werden.

Fichtenbergs Bürgermeister Roland Miola wird die Ausstellung am Montag, 17. September, um 16 Uhr im Rathaus in Fichtenberg eröffnen. Der Kindergarten Fichtenberg wird einen Beitrag gestalten, und es werden Stoffbeutel mit ausgewählten Motiven zum Selbstkostenpreis angeboten. Die Exponate sind dort bis zum 8. Oktober zu sehen. Danach wandert die Schau ins Murrhardter Rathaus, wo sie vom 9. bis 30. Oktober präsentiert wird. Zeitgleich zur Ausstellung wird die Stadtbücherei Murrhardt auch bei sich eine Bücherschau zum Thema zusammenstellen.


https://www.murrhardter-zeitung.de/node/1171829

 

Demokratie - ich bin dabei!

unser Flyer zur Veranstaltung

Herausforderung im Dunkeln

Inklusion

 

Murrhardt / Karl-Heinz Rückert 16.08.2018
Bei der Übergabe der Urkunden mit den Bürgermeistern (von rechts)
Armin Mößner (Murrhardt) und Roland Miola (Fichtenberg).
© Foto: Karl-Heinz Rückert

 

Es war ein etwas anderes Ferienprogramm, das die Initiative „Vielfalt tut gut“ am Samstag bei der Murrhardter Stadthalle zusammengestellt hatte. Eingeladen waren dazu nicht nur Ferienkinder aus dem oberen Murr- und Rottal, sondern auch alle Altersklassen und Menschen mit Handicaps. An der Initiative beteiligen sich neben Privatleuten, verschiedenen Organisationen und Vereinen auch die Kommunen Murrhardt, Sulzbach an der Murr, Großerlach, Spiegelberg, Fichtenberg und Oberrot.

Rennen im Race-Room

Über 50 junge und ältere Teilnehmer konnten bei den „Vielfalt Games“ ihr Wissen und ihre Geschicklichkeit an elf Stationen unter Beweis stellen. Ob beim Bubblesoccer, Kopfballpusten oder bei richtigen Antworten auf Quizfragen, die die heimische Region betrafen, hatten die Teilnehmer riesigen Spaß. Sie mussten allerdings auch Herausforderungen meistern, die für Menschen mit Behinderungen alltägliche Hürden darstellen. Dosenwerfen mit Spezialbrillen, die das Sehvermögen beschränken, sich wie ein sehbeeinträchtigter Mensch mit Blindenstock durch einen abgedunkelten Raum tasten oder mit dem Rolli ihre Geschicklichkeit auf einem Parcours beweisen, all das war kein einfaches Unterfangen bei den „Vielfalt Games“.

Nicht weniger anziehend war eine Rennrunde im Race-Room, den die Fichtenberger KW Automotive für dieses Angebot bereitgestellt hatte. Auf diese Weise war für Teilnehmer wie auch für Sonja Großhans vom Kreisjugendamt des Rems-Murr-Kreises, die zusammen mit 15 Helfern zum Gelingen des Spiele-Events beitrug, der Spaß garantiert. Die sportlichen und kreativen Leistungen wurden zum Schluss mit Urkunden ausgezeichnet. Die Urkunden für die Spitzenleistungen der Medienwerkstatt des ­Murrhardter Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums überreichten Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner und Bürgermeister Roland Miola aus Fichtenberg.

Unter dem Motto „Demokratie – ich bin dabei“ lädt die „Vielfalt tut gut“ Initiative zum „Internationalen Tag der Demokratie“ am 15. September um 10 Uhr zum Brunch mit Meinungsaustausch mit Lokalpolitikern ins Juze Murr­hardt in der Oetinger­­straße 3­ ein. Die Veranstaltung wird ab 11.30 Uhr auf dem Murrhardter Marktplatz fortgesetzt.

Breites Bündnis

In der Initiative „Vielfalt tut gut“ engagieren sich Vereine, Institutionen, aber auch viele Privatleute. Unter anderem sind dabei: die Stadtkapelle Murrhardt, die Stadtbücherei Murrhardt, die AOK, die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden der Stadt, das Projekt Brückenschlag Murrhardt und die Arche der Paulinenpflege Winnenden, die Schulsozialarbeit in Sulzbach/Murr und Murrhardt, das Jugendzentrum Murrhardt, das Kommunale Kino, die Volkshochschule Murrhardt, die Murreder Henderwäldler, das Milchhäusle in Fornsbach, die Fachstelle DEREX des Kreisju­gend­amtes, der Kreisjugendring Rems-Murr und die Kommunen Murrhardt, Sulzbach/Murr, Großerlach, Spiegelberg, Fichtenberg und Oberrot. kr

 

https://www.swp.de/suedwesten/staedte/gaildorf/herausforderung-im-dunkeln-27374682.html


Spaß, Sport und neue Erfahrungen

 

Zeitungsbericht aus der Murrhardter Zeitung

 

Initiative „Vielfalt tut gut“ organisiert Vielfalt-Games bei der Stadthalle – 60 Besucher erleben einen vergnüglichen Tag

Austoben und Spaß haben beim Bubble Soccer oder neue Erfahrungen sammeln beim Rollstuhl-Parcours – an diesen und vielen weiteren Stationen machten sich rund 60 Kinder, Jugendliche und Erwachsene einen vergnüglichen Tag auf dem Sportplatz bei der Murrhardter Stadthalle. Das Aktionsbündnis „Vielfalt tut gut“ hatte dazu eingeladen.

 

 Fußballspiel unter ganz speziellen Bedingungen: Beim Bubble Soccer sind Kopf und Oberkörper der Akteure von luftgefüllten Plastikkammern umgeben. Fotos: J. Fiedler
Fußballspiel unter ganz speziellen Bedingungen:
Beim Bubble Soccer sind Kopf und Oberkörper
der Akteure von luftgefüllten Plastikkammern umgeben.
Fotos: J. Fiedler

Von Annette Hohnerlein

 

MURRHARDT. Von weitem sieht es aus, als ob riesige Seifenblasen über den Sportplatz bei der Murrhardter Stadthalle hüpfen. Bei genauerem Hinschauen stellt man fest: In jeder der sechs riesigen transparenten Kugeln steckt ein Kind. Kopf und Oberkörper sind von luftgefüllten Plastikkammern umgeben, nur die Beine ragen heraus.

Bubble Soccer heißt das witzige Spiel, bei dem Fußball unter ganz speziellen Bedingungen gespielt wird. Die Jungen und Mädchen finden schnell heraus, dass man durch die Kugeln geschützt ist und sich fallen lassen oder auch andere anrempeln und umstoßen kann, ohne dass sich jemand wehtut. Ein Mädchen ruft um Hilfe: Sie liegt in ihrer Kugel kopfüber auf dem Rasen, ihre Beine zappeln himmelwärts. Ein Mitspieler versetzt ihrer Kugel einen kräftigen Stoß, und schon kommt sie wieder auf die Füße.

Ein anderes Ballspiel, ebenfalls mit hohem Spaßfaktor: Kopfball. Dabei stecken vier Spieler ihre Köpfe von unten durch eine Platte und müssen versuchen, einen Tischtennisball in ein Tor zu pusten. Team Josh-Frosch tritt gegen Team Klein-mittel-groß an. „Pusten, pusten, pusten“, feuert Leonie Treml vom Organisationsteam die vier Spieler an.

Zehn Teams und mehrere Einzelspieler, insgesamt rund 60 Teilnehmer, tummeln sich bei strahlend schönem Wetter auf dem Rasen vor der Stadthalle. Zwischendurch ertönt immer wieder ein lauter Knall von der Luftballonstation. Die Aufgabe dort: Zwei Spieler müssen zwischen ihren Körpern einen Luftballon zum Platzen bringen. Das geht nur mit engem Körperkontakt. Die Geschwister Maria und Benedikt stellen sich der Aufgabe mit viel Gelächter.

Ein paar Meter weiter ertönen laute Hau-Ruck-Rufe. Schüler der AG Medienwerkstatt am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium messen ihre Kräfte beim Tauziehen mit den Jungs vom Team AK (Afghanistan-Kurdistan). Ruhiger geht es an der Station von Elke Tigli zu. Hier können die Teilnehmer beim Quiz für Jung und Alt ihr Wissen über Murrhardt oder Harry Potter unter Beweis stellen.

„Vielfalt tut gut“ ist (noch) kein Verein, sondern ein Aktionsbündnis, das sich im Oberen Murr- und Rottal für Vielfalt, Demokratie und ein friedliches Zusammenleben einsetzt. Die Initiatoren sind Jan Sittart und Christian Staita. „Wir haben festgestellt, dass rechtsextreme Umtriebe in und um Murrhardt zunehmen“, berichtet Staita, den alle nur Jannik nennen. Die beiden wollten etwas dagegen unternehmen und wandten sich an Sonja Großhans von der Fachstelle Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention beim Kreisjugendamt. In Zusammenarbeit mit Beate Baur vom Kreisjugendring entstand die Initiative „Vielfalt tut gut“, die die Gemeinden Murrhardt, Sulzbach an der Murr, Spiegelberg, Großerlach, Fichtenberg und Oberrot umfasst. Seit 2017 hat das junge zehnköpfige Kernteam eine ganze Reihe von Aktionen auf die Beine gestellt: Sportveranstaltungen: ein Konzert, ein Kreativ-Wettbewerb, eine Lesung, Filme und Workshops an Schulen.

Da gesellschaftliche Vielfalt auch Menschen mit Behinderung einschließt, sind bei den Vielfalt-Games Stationen aufgebaut, bei denen die Teilnehmer für die Situation von Menschen mit Behinderung sensibilisiert werden. So müssen die Teams einen Parcours mit einem Rollstuhl meistern – gar nicht so einfach, das sperrige Gefährt im Slalom zwischen den rot-weißen Hütchen hindurch zu manövrieren. „Ich hab’s in 40 Sekunden geschafft“, verkündet Azad vom Team FC Auenwald. Oder Dosenwerfen – ein Kinderspiel, wenn man normal sehen kann. Wenn man aber eine Brille aufhat, die das räumliche Sehen ausschaltet oder die das Sichtfeld extrem verengt, dann wird das einfache Spiel zur Herausforderung. Diese Erfahrung machen die elfjährige Jule, ihre kleine Schwester Lia und ihr Vater Daniel.

Mit verbundenen Augen über Bänke, Rampen und Kästen

 

Wie es sich anfühlt, wenn man gar nichts sieht, erfährt die siebenjährige Surina beim Blindenparcours in der Stadthalle. Sie bekommt die Augen verbunden und muss mit einem Stock ertasten, ob vor ihr ein Hindernis auftaucht und wie dieses beschaffen ist. Nachdem sie, assistiert von einem Mitglied des Organisationsteams, ganz vorsichtig über Bänke, Rampen und Kästen gelaufen ist, nimmt sie die Augenbinde ab und stellt fest: „Das war richtig unheimlich.“

Am Ende des Wettbewerbs bekamen alle Teilnehmer eine Urkunde von Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner überreicht und waren eingeladen, den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen. Das Organisationsteam um Christian Staita und Kevin Perri zeigte sich am Abend rundum zufrieden mit dem Verlauf des Tages.

 

https://www.murrhardter-zeitung.de/node/1161970

 

Vielfalt-Games in Murrhardt - Viel Spaß mit Handicaps

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beim Puste-Tischfußball ist Teamgeist gefragt.

Foto: Gottfried Stoppel

Zeitungsbericht der Stuttgarter Zeitung
Von  

 

Bei den „Vielfalt Games“ geht es auf spielerische Art und Weise und ganz nebenbei um Einschränkungen von Behinderten. Ein Besuch

 

 

Murrhardt - Mara hat einen gewissen Vorteil. Bis vor ein paar Monaten war die Zehnjährige wegen eines Beinbruchs auf einen Rollstuhl angewiesen. Jetzt kommen ihr die in dieser Zeit gewonnenen Erfahrungen beim Rollstuhlparcours zugute. Auch ihre gleichaltrige Freundin Kim geht nicht völlig unbedarft an die Sache ran: „Ich durfte damals bei Mara auch mal fahren“, sagt sie.

 

Der Rollstuhlparcours ist eine von insgesamt elf Stationen, die am Wochenende bei den „Vielfalt Games“ auf dem Sportplatz hinter der Murrhardter Stadthalle aufgebaut worden waren. Die Zielgruppe sei sechs bis 99 Jahre alt, sagt Christian Staita, einer der Initiatoren. Es gehe um Sport, Spaß, Kreativität, Teamgeist – und gleichzeitig sollten die Spiele sensibel dafür machen, mit welchen Einschränkungen manche Menschen mit Handicap zurechtkommen müssten.

 

 

Blindenparcours und Bubble Soccer

Bei einem Blindenparcours in der Turnhalle beispielsweise sind Hindernisse zu überwinden. Wer sich traut und auf einen sehenden Partner vertraut, kann am Ende von einem kleinen Kasten herunterspringen. Beim Dosenwerfen mit einer speziellen Brille müssen die Teilnehmer mit nur noch 20 Prozent Sehkraft auskommen, beim Bubble-Soccer ist der Körper in eine unförmige Blase eingeschlossen. Bei einem speziellen Tischkicker, bei dem pro Mannschaft jeweils zwei Köpfe aus einem Sperrholz-Spielfeld herausschauen, muss man allein durch Pusten versuchen, einen Tischtennisball in das gegnerische Tor zu befördern. An einer anderen Station geht es darum, sich nicht von einem wilden Musikmedley, das über Kopfhörer auf einen eindudelt, ablenken zu lassen, um mitzuzählen, wie lange eine eigens an- und dann wieder ausgeschaltete Glühbirne leuchtet. Gar nicht so einfach ist das, muss etwa der zwölfjährige Demion feststellen. Er hat sich um drei Sekunden verschätzt. „Die Musik war aber auch so durcheinander, ich kann mich nur an das Dschungelbuch, Fluch der Karibik und ein Weihnachtslied erinnern.“

 

Revival nach zehn Jahren

Christian Staita war schon vor zehn Jahren dabei, als viele Ehrenamtliche im Oberen Murrtal unter dem Motto „Vielfalt tut gut“ eine Veranstaltungsreihe aufgelegt hatten. Das Ziel war, rechten Umtrieben etwas Kreatives entgegen zu setzen. Auch jetzt, zehn Jahre später, sei das Revival daraus entstanden, dass die rechte Szene wieder häufiger in Erscheinung getreten sei, sagt Staita. Deswegen sei auch die beim Kreisjugendamt angesiedelte Fachstelle Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention (DeRex) eine treibende Kraft. Die Veranstaltungsreihe, die jetzt landkreisübergreifend auf das obere Rottal ausgeweitet worden sei, solle statt einfachem Dagegensein vielmehr die Vielfalt der Gesellschaft aufzeigen. „Wir wollen das Positive und Schöne betonen“, sagt der 32-jährige Staita, der „im normalen Leben“ Schreiner ist.

 

Mara hat derweil den Rollstuhlparcours mit Bravour hinter sich gebracht. Damals, sagt sie rückblickend, sei es eine Weile schon ganz cool gewesen, mit einem Rolli durch die Gegend zu fahren. „Aber ich bin froh, dass ich nicht mehr darauf angewiesen bin.“

 

Bereits vor zehn Jahren fanden unter dem Motto „Vielfalt tut gut“ verschiedene Veranstaltungen im Oberen Murrtal statt. Jetzt haben sich erneut zahlreiche Engagierte zusammengetan, um eine Veranstaltungsreihe zu organisieren. Dem Bündnis gehören unterschiedliche Vereine, diverse Institutionen, aber auch viele Privatpersonen an.

 

Das Anliegen des Bündnisses ist, Begegnungen zu schaffen und Vielfalt in der Region sichtbar zu machen. Das Ziel ist, ein Zeichen für Vielfalt, Demokratie und ein friedliches Miteinander zu setzen.

 

Mit einem großen Auftaktkonzert ist die Reihe im April gestartet. In der Murrhardter Stadthalle traten die Münchener Reggae-Band Jamaram und die Kölner Pop-Punker Karlsson auf. Nach den Vielfalt-Games stehen am 20. September in Schloss Lautereck in Sulzbach die „NSU-Monologe“ auf dem Programm. Das Ensemble der Bühne für Menschenrechte will den Opfern des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) eine Stimme geben.

 

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.vielfalt-games-in-murrhardt-viel-spass-mit-handicaps.e8534b73-e839-4b74-9e29-682a0fb3e34a.html



Respektvoller Umgang, nicht nur im Sport

Catherine Lohmann (links) erarbeitet mit Sechsklässlern, wie man erkennt,

dass eine Haltung und Fankultur ausgrenzend und diskriminierend ist. Fotos: J. Fiedler 

 

Von Christine Schick

MURRHARDT.

Gleich am Morgen finden sich die Jugendlichen auf dem Sportplatz neben der Schule ein. Die Klassen 7 und 8, später auch 5 und 6, treten gegeneinander an. Sie haben jeweils sechs Spieler ausgewählt, die sie ins Matsch schicken. „Ein Mädchen muss auf jeden Fall dabei sein“, sagt Tatjana Riekert vom Projekt Brückenschlag. Weiterer Anreiz, eine weibliche Spielerin auszuwählen: Die Mädchentore werden doppelt gezählt. „Es geht einfach darum, die Mannschaft vielfältiger zu machen“, erklärt die Sozialarbeiterin.

Gemeinsam mit Sonja Großhans, Leiterin der Fachstelle Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention im Rems-Mur-Kreis, hat sie den Aktionstag für die Walterichschule organisiert – als eine der Veranstaltungen der Reihe „Vielfalt tut gut“ im Oberen Murr- und Rottal. Unterstützung gibt es zudem von Sinja Wernz vom Demokratiezentrum Baden-Württemberg sowie vom Kreisjugendring. Neben den sportlichen Wettkämpfen warten nämlich auch noch Workshops auf die Schüler – mit Referenten vom Demokratiezentrum, vom Kreisjugendring und von der Landeszentrale für politische Bildung.

Unter der Überschrift „(K)eine runde Sache“ befasst sich die Klasse 6b noch vor ihren Spielen mit besagtem Doppelgesicht des Sports: dem Spannungsfeld zwischen Fußball und Team auf der einen und menschenverachtenden Einstellungen auf der anderen Seite. Catherine Lohmann, Referentin des Stadtjugendrings Stuttgart und des Teams meX, führt mit einem Filmausschnitt ins Thema ein: Zu sehen sind in rot getauchte, von Bengalos erleuchtete Stadionszenen, Fanmassen auf dem Weg zum Spiel und voll besetzte Ränge, auf denen Fahnen geschwenkt werden. In einem ersten Stimmungsbild sammelt sie ein paar Statements ein. Die Palette reicht von „beeindruckt von den vielen Menschen“ über „ich bin Fan einer anderen Mannschaft“ bis hin zu „ich mag lieber kleinere Gruppen“. Auch bei der Frage, wer wie die Fußballweltmeisterschaft verfolgt, fallen die Antworten ganz unterschiedlich aus.

Dann geht es ans Eingemachte: Die Schüler befassen sich in Kleingruppen mit der unschönen Seite von Gruppenbildungsprozessen, die auch im Fußball stark verankert sind. „Man wertet sich und die Gruppe auf, indem man andere abwertet“, sagt Catherine Lohmann. Dieses Grundphänomen, dass eben nicht alle Menschen in ihrer Gleichwertigkeit anerkannt werden, kann verschiedene Gesichter haben. Im Workshop schauen sich die Schüler vier Kategorien an: Rassismus, Homophobie, Sexismus und Antisemitismus.

„So eine Gruppendynamik kann einen Einzelnen schon mitreißen, und es sind hohe Hürden, da selbstbewusst auszubrechen“, erklärt die Referentin, während die Schüler sich mit kurzen Videofilmen zu den vier Themen befassen. Gleichzeitig „geht es beim Workshop auch um die Frage, wie möchte ich leben und was ist mir wichtig“. Der Übergang von Vorurteilen zu unhinterfragten Rollenbildern ist oft fließend, was bei den einzelnen Kategorien deutlich wird. So scheint es auf den ersten Blick vielleicht nicht besonders dramatisch, dass die Überraschungseier für Mädchen rosa, die für Jungs hellblau verpackt sind. Trotzdem trägt es dazu bei, Rollenbilder zu zementieren und im Falle eines wachsenden Drucks Jungen und Mädchen, Frauen und Männer daran zu hindern, sich wirklich „frei zu entfalten“. Beim Sexismus werden Frauen und Männern bestimmte Eigenschaften zugeschrieben beziehungsweise abgesprochen. Ein Beispiel Catherine Lohmanns: ZDF-Fußballreporterin Claudia Neumann wird vor allem in den sozialen Medien beleidigt, weil sie als Frau im Fernsehen Fußballspiele kommentiert.

Gemeinsam wird erarbeitet, was Rassismus bedeutet. Beispielsweise wird die Hautfarbe mit bestimmten negativen Eigenschaften verbunden, so der Tenor. Meist stehen dunkelhäutige Menschen im Fokus, wie Sascha erläutert, weil man sie als böse oder kriminell vorverurteilt. Die Referentin erinnert an den Vorfall mit Kevin-Prince Boateng, bei dem die gegnerischen Fans ihn durch Affengeräusche und entsprechende Gestik beleidigt haben. Die Assoziationen „nicht so schlau“ bis hin zu „wilde Tiere“ machen deutlich, wie drastisch die Ausgrenzung ist.

Homophobie, also die Angst vor Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, ist im Fußball ebenfalls ein Thema. „Thomas Hitzlsperger hat sich ja erst nach seiner aktiven Spielzeit geoutet, also gesagt, dass er homosexuell ist“, meint die Referentin. „Er hatte vermutlich Angst, wie seine Mitspieler reagieren, und dass es seine Karriere beeinträchtigt“, sagt Sascha. Catherine Lohmann nickt und ergänzt, dass dabei auch so manches Vorurteil mitschwingt, wie ein Schwuler ist „ein Weichei und geht bei einem Foul wie eine Operndiva zu Boden“.

Auch die letzte Kategorie – Antisemitismus – hat es in sich. Nach einem kurzen Schwenk in die Vergangenheit des Dritten Reichs und den Holocaust macht die Workshopleiterin klar, dass Antisemitismus auch im Fußball zu beobachten ist. „Jude wird als Beleidigung benutzt. Warum ist das daneben?“, fragt sie. „Weil das Judentum einfach nur eine Religion ist“, sagt Luca. „Genau, es geht immer darum, Menschen auf ein Merkmal zu reduzieren“, sagt Lohmann.

Später erarbeitet die 6a noch ein paar Ideen dazu, wie sie solchen Verhaltensweisen etwas entgegensetzen kann und wie ein gutes Fair Play aussieht. Auch die anderen Klassen gehen nicht leer aus. Sie befassen sich mit ähnlichen Grundthemen jenseits des Fußballkontextes, bei denen Demokratie, Menschenrechte sowie Identität eine Rolle spielen („Vielfalt-Coaches“, „Mein.Dein.Unser“ und „Vielfalter“).

Entweder vorher oder nachher geht es auf den Rasen, um die Sache ganz konkret beim Spiel miteinander zu leben. Engagiert, versteht sich. Es fallen gar nicht so wenige Tore, und es sind – ganz nach dem Wunsch von Schulleiterin Martina Mayer – „faire und spannende Spiele“.

 

Dieser Text erschien in der Murrhardter Zeitung am 10. Juli 2018

 

 https://www.murrhardter-zeitung.de/node/1151454

Vereintes Feiern für die Vielfalt

JAMARAM in der Murrhardter Stadthalle. (Foto: J. Fiedler)

 

Von Carmen Warstat 

MURRHARDT.

Die Stammbelegschaft der Initiative „Vielfalt tut gut“, die eine ganze Reihe von attraktiven Veranstaltungen plant, besteht aus etwa 15 vorwiegend Ehrenamtlichen. Für das Auftaktkonzert mit den Bands Karlsson und Jamaram waren es fast 40 Helfer. Zusammen mit seinem Freund Jan Sittart hat der 32-jährige Schreiner Christian Staita die Veranstaltungsreihe „Vielfalt tut gut“ wiederbelebt, um ein Zeichen zu setzen. Es ist ihnen und den vielen Helfern „ein akutes Anliegen“, allen Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, ihre Solidarität zu signalisieren. Seit März vorigen Jahres bereits laufen die Vorbereitungen, die unter anderem vom Kreisjugendamt und dem Kreisjugendring unterstützt werden. 

Geplant ist eine Vielfalt an Events, die ihresgleichen sucht: „kulturell, kreativ, sportlich – alles unter dem Motto Vielfalt“, wie Christian Staita es formuliert. Zum Auftaktkonzert konnten Karlsson aus Köln und als Hauptact Jamaram aus München gewonnen werden – beides sozial engagierte Bands, für die es eine Selbstverständlichkeit war, den Murrhardtern ohne Zögern zuzusagen. 

Karlsson spielen Indie-Punk und Emo, die Band bewegt sich irgendwo zwischen Muff Potter, Captain Planet und Jupiter Jones. Ihre deutschsprachigen Texte kreisen um „die Themen, die ihnen das Leben aufzwingt“. Es sind vorwiegend (noch) Studenten, die in Köln regelmäßig Soli-Konzerte für Geflüchtete und andere soziale Projekte spielen und sich an Spendenaktionen beteiligen, wie Bassist und Sänger Kilian am Rande des Konzerts mitteilt. „Das Motto der Veranstaltung können wir hundertprozentig unterschreiben“, versichert ein Bandkollege dem Publikum später und ergänzt: „Wir alle müssen Zeichen setzen in Zeiten, in denen Rechtspopulisten immer mehr an Stimmen gewinnen.“ Das Publikum lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch überschauen und reagiert anfangs verhalten, aber freundlich auf die kraftvolle Mugge der Kölner. Carolin Scheib, eine junge Erzieherin aus Murrhardt, sagt „Jawoll“ zum Anliegen der Organisatoren. Sie ist mit einer Frau verheiratet und von daher vor allem im Beruf noch regelmäßig mit Vorurteilen konfrontiert. „Den engen Horizont sollte man ein bissle erweitern“, sagt sie und begrüßt es, auch auf dieser Veranstaltung Gesicht zeigen zu können.

„Immer gut, wenn in Murrhardt was los ist“, findet es Isabell Hoffmann, die für die sanitätsdienstliche Absicherung des Abends verantwortlich ist. Die Sanitäterin vom DRK-Ortsverband Sulzbach: „Für uns ist Vielfalt eine Selbstverständlichkeit. Wir dürfen überhaupt keinen Unterschied machen, egal wer oder was jemand ist, ob er Geld hat oder nicht – wir helfen einfach.“ Ihre Kollegin Sabine Kerber stimmt dem zu und ergänzt: „Wir sind für alle und alles offen, die Herkunft eines Menschen ist uns egal. Das ist für uns ein Mensch und mehr nicht.“

Vorwiegend Murrhardter haben heute Abend in die Stadthalle gefunden, aber auch einige relativ Weitgereiste Jamaram-Fans sind gekommen: Manuela Klopp und Claudia Romig aus Künzelsau tragen gelbe Jamaram-T-Shirts. Sie versuchen möglichst viele Gigs der geliebten Band zu besuchen. Es sei mindestens ihr 15. Konzert heute, und sie finden das Motto gut. „Jeder Mensch hat seine eigene Welt, die man respektieren muss“, bemerkt Manuela und erzählt, dass die Band kürzlich bei einem Konzert in Würzburg zwei Rollstuhlfahrer auf die Bühne holte. „Jamaram machen einfach gute Laune und nehmen einen immer wieder mit.“

Ihre Einschätzung soll sich auch dieses Mal in Murrhardt bewahrheiten. Zwischen den Band-Acts leert sich der Saal wieder und die Leute ziehen sich auf die Terrasse zurück, aber die treuesten Fans haben sich vor der Bühne auf den Boden gesetzt, während Techniker und Roadies umbauen. Erwartungsvoll und entspannt ist die Stimmung, das Publikum bunt wie das Motto der Veranstaltungsreihe: Menschen verschiedener Generationen und Hautfarben, Paradiesvögel und Normalos sind anwesend, und alle haben ihren Spaß. Als die achtköpfige Band Jamaram einsteigt, beginnt das Publikum sofort zu tanzen und begeistert zu applaudieren. Die Menge wogt regelrecht, denn die Vibes sind ansteckend und grooven ungemein, die Gesichter auf und vor der Bühne unendlich glücklich. Längst hat die Terrasse sich geleert. Ein Farb- und Nebelrausch unterstreicht die kraftvolle Show der Band, die das Publikum in der Hand zu haben scheint.

Jamaram: Das ist eine vielfältig sozial engagierte Formation, da bedarf es nicht vieler Worte. „Schimpfen kann man immer“, sagt der rastlose Frontmann nur, man müsse aber „was Positives machen.“ Und: „Ihr habt einen sehr coolen Verein hier!“ Ansonsten sprechen ihr internationaler Musik-Mix, die klangliche Farbenfreude, ihre ansteckende, pulsierende Vitalität und ungemein eingängige Rhythmik sowie die friedliebende Ausstrahlung für sich. An die 300 Menschen sind gekommen, das findet Sonja Großhans von der Fachstelle für Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention beim Kreisjugendamt „ganz schön“. Ihr ist es wichtig, dass die Veranstaltungsreihe nicht nur nach außen wirkt, sondern auch innerhalb der Gemeinschaft den Zusammenhalt engagierter Menschen stärkt. Es sei notwendig, sich auch zu feiern und seiner Kraft zu versichern. An diesem Abend in Murrhardt ist es gelungen.

 

 

Dieser Text erschien in der Murrhardter Zeitung am 02. Mai 2018

 

http://www.murrhardter-zeitung.de/node/1128865

Mit Pompfen auf der Jagd nach dem Jugg

     Viel Action und Einsatz zeigten die Teilnehmer beim Juggern  (Foto: J. Fiedler)

 

Von Annette Hohnerlein  

MURRHARDT. Es geht ordentlich zur Sache, wenn die Spieler mit den Sportgeräten, die Pompfen genannt werden, aufeinander losgehen. Erlaubt ist ziemlich viel: schlagen, stoßen, den Gegner umklammern und festhalten oder mit einer Kette attackieren. Aber keiner muss um seine Knochen fürchten, denn die Pompfen sind dick gepolstert, um Verletzungen zu vermeiden.

Juggern ist eine aufstrebende junge Sportart, die in den 1990er-Jahren aufkam und auf den Endzeitfilm „Die Jugger – Kampf der Besten“ aus dem Jahr 1989 zurückgeht. Was in dem Film brutal daherkommt und oft mit Platzwunden und Knochenbrüchen endet, hat sich in der Realität zu einem Turniersport mit einem Regelwerk, verschiedenen Ligen und einer jährlich ausgetragenen deutschen Meisterschaft entwickelt, der aufgrund des hohen Spaßfaktors auch in der Jugendarbeit eingesetzt wird.

Die Pompfer unterstützen

den Läufer

14 Jugendliche und junge Erwachsene waren der Einladung des Kreisjugendrings in die Gemeindehalle in Fornsbach gefolgt und erhielten von Simon Breunig vom Team Schwaikheim-Jukk/er eine Einführung ins Juggern. Ziel des Spiels ist es, den Spielball, Jugg genannt, ins gegnerische Tor zu bringen. Dies darf jedoch nur der sogenannte Läufer, der als Einziger der fünf Spieler einer Mannschaft ohne Sportgerät unterwegs ist. Die anderen vier Spieler, Pompfer genannt, unterstützen den Läufer, indem sie versuchen, die gegnerischen Spieler durch einen Treffer auf den Körper zu einer kurzen Auszeit zu zwingen, die diese auf dem Spielfeld kniend verbringen müssen. Zum Einsatz kommen Stäbe in verschiedenen Längen, die Lang- oder Kurzpompfen oder – wegen ihrer Wattestäbchenform – Q-Tip heißen, dazu ein Schild, um sich zu verteidigen, und eine martialisch aussehende Kette mit Kugel. Der Name Pompfe beschreibt lautmalerisch das Geräusch, wenn ein Spieler damit einen Gegner trifft.

Die Sportgeräte haben Simon Breunig und seine Teamkollegen mit einfachen Mitteln selbst hergestellt: Stäbe oder Rohre aus Kunststoff werden mit Rohrisolierung gepolstert, die anschließend mit schwarzem Klebeband fixiert wird.

„Es ist nichts erlaubt, was wehtut“, ermahnt Breunig die Jugendlichen, bevor diese zum Aufwärmen ein paar Runden „Zombie“ spielen, bei dem zunächst der Einsatz der Pompfen geübt wird.

Anschließend werden zwei Mannschaften gebildet und es wird ernst, wenn auch nicht bierernst. Die Spieler messen ihre Kräfte in spektakulären Duellen, schwingen mit vollem Körpereinsatz ihre Pompfen, weichen den gegnerischen Schlägen unter abenteuerlichen Verrenkungen aus und gehen in halsbrecherisch aussehenden Stürzen zu Boden, kurz: Sie geben alles. Währenddessen wuseln die Läufer Haken schlagend durchs Gedränge und versuchen, den Jugg zu platzieren. Als ein besonders ausdauernder Läufer erweist sich der zehnjährige Josua Braun aus Murrhardt, der unzählige Male den Jugg im gegnerischen Tor versenkt.

Dabei zeigt sich, dass beim Juggern Geschicklichkeit, Ausdauer und taktisches Gespür gefragt sind. Und nicht zuletzt eine gute Kondition. In den kurzen Trinkpausen sitzen die Spieler ausgepowert am Boden und stärken sich mit Getränken, Obst und Süßigkeiten. Bis Josua Braun zum Weitermachen aufruft: „Auf geht’s, hopp, hopp!“

Auch Mohamad Awad aus Syrien schnappt sich seine Pompfe und geht wieder aufs Spielfeld. Macht’s Spaß? Er strahlt und hebt im Vorbeigehen den Daumen.

Melina Bayler aus Aspach ist das einzige Mädchen unter lauter Jungen und Männern. Sie erweist sich als engagierte Kämpferin auf dem Spielfeld, die sich mit vollem Einsatz in jeden Zweikampf stürzt. „Ich bin einfach gekommen, um mal was Neues auszuprobieren“, sagt die 15-Jährige auf der Ersatzbank, noch ganz außer Atem und mit roten Backen. „Es sieht lustig aus und macht großen Spaß, ist aber ziemlich anstrengend und braucht Taktik. Und auch Fairness ist ganz wichtig“, findet Melina. Im Anschluss an das kräftezehrende Match ließen die Sportler den Nachmittag im Fornsbacher Jugendtreff Milchhäusle bei einem Pizzaessen ausklingen.

 

Der Sporttag war Teil einer Reihe von Veranstaltungen, die der Kreisjugendring im Rahmen des Projekts „Vielfalt tut gut“ im Oberen Murrtal organisiert. In sechs Gemeinden (Sulzbach an der Murr, Murrhardt, Spiegelberg, Großerlach, Fichtenberg und Oberrot) finden verschiedene Aktionen statt, erläutert Angelika Roth, Projektreferentin beim Kreisjugendring. Dazu gehören Workshops für Schüler, ein Stammtisch, Musik-, Kultur- und Sportevents sowie Video-Interviews mit Bürgern. Die nächste Veranstaltung ist ein Konzert mit der Münchener Band Jamaram am 27. April um 20 Uhr in der Stadthalle in Murrhardt, als Vorgruppe spielt die Kölner Band Karlsson.

 

Dieser Text erschien in der Murrhardter Zeitung am 7. April 2018

 

http://www.murrhardter-zeitung.de/node/1120109

 

Interviews rund um das Thema Vielfalt

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Vielfalt tut gut wollen wir Video-Interviews mit Bürgern der beteiligten Gemeinden aufnehmen, die die Vielfalt der Menschen und deren Auffassung von Vielfalt sowie Vorzüge einer vielfältigen Gesellschaft zeigen und betonen sollen. Diese werden vor, während und nach dem Auftaktkonzert am 27. April 2018 in der Stadthalle Murrhardt erstmals gezeigt, gerne auch noch zu weiteren passenden Anlässen. Hierzu werden wir in allen Gemeinden an belebten Orten offen auf die Menschen zugehen und versuchen, ihnen kurze Statements zum Thema zu entlocken.  

 

Im Folgenden unsere kleine Tournee:

  • 28. Februar 2018 10:00 bis 11:00 Uhr: Oberrot, Edeka/nah und gut Stengelin
  • 28. Februar 2018 11:30 bis 12:30 Uhr: Fichtenberg, Norma
  • 1. März 2018 18:00 bis 19:00 Uhr: Murrhardt, Jugendzentrum
  • 2. März 2018 10:00 bis 12:00 Uhr: Murrhardt, Wochenmarkt
  • 3. März 2018 18:00 bis 20:00 Uhr: Sulzbach, Festhalle (Dorfabend Landjugend)
  • 4. März 2018 11:30 bis 12:00 Uhr: Spiegelberg, Kirche (nach dem Gottesdienst)
  • 4. März 2018 13:30 bis 15:30 Uhr: Großerlach, Gemeindehalle (Kinderkleiderbasar)

Noch einmal: Hiermit laden wir Sie herzlich ein, uns zu besuchen und Ihre persönliche Aussage zu dem Gewinn durch Vielfalt, Toleranz und Respekt zu platzieren. Wir freuen uns auf Sie!



Pressemitteilung vom 12. Februar 2018